Jan Manshardt
Fachanwalt für Strafrecht

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Musterfall: Ladendiebstahl

Der Fall einer Frau, Mitte 40, die mehrfach beim Ladendiebstahl erwischt wurde, entwickelte sich für sie zum psychischen Albtraum. Bis vor kurzem war sie als Verwaltungsangestellte tätig. Sie litt schon länger an Depressionen und lebte seit einiger Zeit getrennt von ihrem Ehemann. Nach einer innerbetrieblichen Verfehlung wurde ihr gekündigt und seitdem war sie arbeitslos.

Stehlen aus Frust?

Wenig später wurde sie das erste Mal bei einem Ladendiebstahl erwischt. In einer Drogerie steckte sie Parfüms ein. Wenige Wochen später wurde sie wieder von der Polizei festgenommen, diesmal wegen des Diebstahls teurer Kleidungsstücke. Für die Polizei waren die Gründe der Frau nicht erkennbar. Ob sie nun aus Geldknappheit oder wegen des Nervenkitzels klaute, war unklar. Die Frau war aufgelöst und gelobte unter Tränen Besserung. Dennoch wurden Strafanzeigen gestellt und Hausverbote erteilt.

Durch Depressionen handlungsunfähig

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Briefe der Staatsanwaltschaft im Briefkasten lagen. Inzwischen hatten sich die Depressionen erneut verstärkt und behinderten die Beschuldigte sowohl bei der Bewältigung des Alltags, als auch bei der Stellungnahme zu den Vorwürfen. Die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle kam ebenfalls ins Stocken. Als ein Brief mit Haftandrohungen ins Haus flatterte, übernahm eine Freundin sinnbildlich im letzten Augenblick die Initiative und kontaktierte einen Anwalt.

Ordnung ins Chaos bringen

Beim ersten Beratungstermin in der Kanzlei wurden zuerst alle Briefe der Behörden gesichtet. Es waren bereits diverse Fristen versäumt worden, denen nun die Androhung von Strafmaßnahmen gefolgt ist. Nach Erteilung des Mandates wurde zuerst Kontakt mit den Behörden aufgenommen, um die angedrohten Zwangsmaßnahmen abzuwenden. Es folgte der Antrag zur Akteneinsicht und die Stellungnahme zu den Tatvorwürfen. Diese wichtige Kontaktaufnahme ermöglichte eine Fristverlängerung, die genügend Zeit für weitere Überlegungen gewährte. Die starken Depressionen der Frau und ihre anstehende Scheidung fanden im vertraulichen Gespräch ebenfalls Erwähnung. Ein direkter Zusammenhang zur den Diebstählen in Form einer Kompensationshandlung schien möglich. Der Anwalt beantragte bzw. veranlasste ein psychologisches Gutachten, um die krankhaften Einflüsse auf die Tathergänge fachgerecht beurteilen zu lassen.

Rücksicht des Gerichts

Beim abschließenden Gerichtstermin wurde das Gutachten vom Richter berücksichtigt. Er stellte fest: Die Straftaten gingen einher mit dem sozialen Bruch, den die Beschuldigte erleiden musste. Er gestand der Angeklagten eine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit zu, jedoch nicht die uneingeschränkte Schuldunfähigkeit. Das trotzdem milde Urteil in Form einer Geldstrafe berücksichtigte das bisher blütenweiße Strafregister der Angeklagten und sollte ihr keine weiteren Steine bei der kommenden Arbeitssuche in den Weg legen.